Veranstaltung war am 28. März 2013

Judas ist ein Verräter. Durch sein Verbrechen musste Jesus sterben. Judas erscheint in der Überlieferung als der Jünger, der Jesus aus Geldgier den Häschern ausliefert und durch seinen Selbstmord sein Seelenheil für immer verspielt. Nur: Ist es nicht gerade diesem Verfemten zu verdanken, dass Jesus sein göttliches Heilswerk am Kreuz überhaupt erfüllen konnte? Basiert nicht die christliche Hoffnung auf der Tat des Judas? Ist nicht gerade durch den „Verbrecher“ der göttliche Plan umgesetzt worden: die Erlösung der Menschheit durch das Opfer des Sohnes? – Angesichts seiner gnadenlosen Verurteilung ist es an der Zeit, den Fall des Judas neu aufzurollen. – Walter Jens, der große Rhetoriker, hat dem vermeintlichen Verräter ein überraschendes, wortgewaltiges Plädoyer gewidmet, „Die Verteidigungsrede des Judas”.

Peter Franke ist eines der markantesten Gesichter von großen Theaterbühnen und aus zahlreichen Kino- und TV-Filmen. Sein Kino-Debut gab er in Volker Schlöndorffs Die verlorene Ehre der Katharina Blum, im Fernsehen war er erstmals in Shirins Hochzeit (Regie: Helma Sanders-Brahms) zu sehen. Spätestens seit er als Sepp Herberger in Das Wunder von Bern brillierte, kennt ihn auch das breitere Publikum. Peter Franke ist aber nicht nur ein großer deutscher Schauspieler, er mischt sich auch immer wieder mit eigenen Programmen politisch ein.

Georgia HoppeGeorgia Ch. Hoppe komponiert, arrangiert, musiziert, spielt u.a. Klarinette, Saxophon, Gitarre… Nach ihrem Studium der Musikwissenschaft (Promotion 1989) und der Jazzkomposition bei Dieter Glawischnig lehrte sie an den Universitäten in Oldenburg und Hamburg, gibt Unterricht; arbeitete als Theater- und Filmmusikerin u.a. mit Johann Kresnik, Axel Manthey, Fatih Akin – und den Schauspielern Michael Altmann und Nina Petri. Die freischaffende Musikerin spielt in verschiedenen Musikgruppen und ist Mitglied bei dem legendären Orchester Tuten & Blasen.

Walter Jens

Am Freitag, 8. März, wird Walter Jens 90 Jahre alt. In Hamburg geboren gehörte er über Jahre zu den wichtigsten Intellektuellen Deutschlands. Er übersetzte Teile des Neuen Testaments: die vier Evangelien, den Brief des Paulus an die Römer und die Offenbarung des Johannes. Der Publizist, Philologe und frühere Präsident der Berliner Akademie der Künste behandelte in seinem letzten Roman Der Fall Judas (1975) einen fiktiven Seligsprechungsprozess für Judas Ischariot in der Form einer forensischen Fallstudie: „Ohne Judas kein Kreuz, ohne das Kreuz keine Erfüllung des Heilsplans. Keine Kirche ohne diesen Mann; keine Überlieferung ohne den Überlieferer.“ – Walter Jens leidet seit 2004 an Demenz.


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