Ein Personalberater berichtet - Bankenvorstand oder Bankräuber

Psychopathen in der Chefetage
Zeitbomben mit Schlips
Ein Gastbeitrag von Personalberater Heiner Thorborg
Sie sind charmant und überzeugend, angstfrei und manipulativ: Oft kommen Psychopathen weit in der Karriere – und doch nie ans Ziel. Ihre innere Leere bleibt, ihre Unternehmen ruinieren sie.
Viele Probleme in der Wirtschaft gehen auf Menschen mit psychischen Problemen zurück, insbesondere auf Narzissten und Psychopathen.
Beiden Typen ist gemeinsam, dass sie so mit dem eigenen Ich beschäftigt sind, dass sie die Befindlichkeiten anderer nicht wirklich berühren. Forscher sagen, in Chefetagen sei der Anteil der Psychopathen sechsmal höher als im Bevölkerungsdurchschnitt.
Das sind nun keine Folterer, Killer oder Kidnapper, sondern hoch funktionale Leute mit eindrucksvollen Positionen und Titeln. Die britische Wissenschaftlerin Belinda Board nennt sie die “erfolgreichen Psychopathen”. Sie stehen nicht im Fokus, weil sie eben nicht kriminell werden, so der Tübinger Neurobiologe Niels Birbaumer. “Sie sind nicht gewalttätig, und deshalb kennen wir sie nicht. Der Schaden, den sie aber in unserer Gesellschaft anrichten, ist immens.”
Robert D. Hare, ein kanadischer Wissenschaftler, der das Instrumentarium entwickelt hat, mit dem Polizeidienste auf der ganzen Welt Psychopathen identifizieren, nennt sie “Sozialstraftäter”. Er hat 30 Jahre in Hochsicherheitsgefängnissen Datenmaterial über Psychopathen gesammelt und ist heute der Meinung, dass er an den Börsen dieser Welt vermutlich mehr über seine Lieblingsstudienobjekte gelernt hätte. “Attraktive, intelligente gebildete Psychopathen, die in einer wohlhabenden Familie groß geworden sind, rauben keine Bank aus, sie werden Bankenvorstand.” (Der Spiegel, 09. April 2015)

Artikel vom 13. Apr 2015


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