Es gibt neue Motive. Denn beim traditionellen Krimi-Rätsel entfalten die "Spökenkieker" der "Schwarzen Hafen-Nächte" eine solche Kreativität und Produktivität, dass - aber lesen Sie doch selbst (dies sind die Resultate der letzten "Sitzungen").
Gefragt war (a) nach einem Etwas, das immer nasser wird, je mehr es trocknet - und (b), nach einer mörderisch guten Geschichte, die eine Lektorin liest, wonach zuerst der Autor, dann der Gatte der Lektorin stirbt - und der Text nie wieder gelesen wurde.
a) Der Pamerswindelsuperaktivtrockenkern (Verena), "Sonne trocknet die Erde, Wolken werden immer nasser, bis sie wieder abregnen" (Karl-Heinz)
b) "Der Autor und der Mann der Lektorin waren in die Lektorin verliebt. Be einem Duell starb zuerst der Autor, dann der schwer verletzte Ehemann. Das Buch wurde durch die Schüsse so zerlöchert..." (Verena) - "Der Autor war die Lektorin..." (Karl-Heinz)- "Der Autor beschreibt in seiner Geschichte detailliert, wie eine Frau ihren Ehemann umbringt. Die Lektorin verliebt sich in den Autor. Der Ehemann erfährt von dieser Affaire und tötet den Autor und wird dafür von seiner Frau umgebracht...." (Burkhard)
15. Schwarze Hafen-Nacht: Gefragt war der Grund für den Tod eines Mannes, den man tot auf den Gleisen fand. Er hatte in einem Nichtraucherabteil gesessen. In einem Raucherabteil hätte er überlebt...
"...auch wenn meine Lösung nicht zutrifft, diesen Unfall hat es tatsächlich gegeben..."(Michael) - "Erst einmal wäre die Frage zu klären: War der Verunglückte Raucher oder Nichtraucher?..." (dago) - "Wer sich als Raucher mit brenneder Zigarette militanten Nichtrauchern nähert, muss damit rechnen, vor die Tür "gebracht" zu werden..." (Claudia)
"...er hat die Tür verwechselt... Rauchen kann eben tödlich sein..." (Karin)
"Wenn es nicht in diesen Tagen den Schlager-Move, ergo LOVE PARADE gegeben hätte... Zufall?!! - Handel es sich um Hercule Poirot, der auf Miss Marple im überhitzten ICE trifft- mittlerweile mit den Nerven im vollends überhitzten Zug durch, der die Nottür findet, sich seine Pfeife anzündet und Miss Marple, mittlerweile renitente Nichtraucherin, verpaßt ihm den finalen Aus-Stoß. In Zeiten wie diesen schreibt das Leben selbst die mörderischsten Geschichten...Hochachtungsvoll... Christine" - "Der Mann wurde fast wahnsinnig, weil er in dem ICE kein Raucherabteil mehr fand. Er hielt es auf seinem reservierten Sitzplatz nicht mehr aus, lief ruhelos den Gang des Zuges auf und ab, aber fand keine Lösung..." (Ulrike)
"Er streifte die Asche seiner Zigarette ab, hielt dabei seine LETZTE Schachtel in derselben Hnad, die ihm dummerweise hinunterfiel. Ihm kam entgegen, dass jemand die Notbremse zog. Also, hast du nicht gesehen, stieg der Raucher aus dem Zug und lief in Richtung Schachtel..." (Katharina)
"Der Mann ist Lilliputaner und wollte unbedingt verbotenerweise im Zug rauchen. Also öffnete er ein Zugfenster und lehte sich mit dem Körper heraus, während er rauchte. Da er lange Zeit nicht zuhause gewesen war, wusste er nichts von dem neuen tunnel. Als der Zug einfuhr, brach ihm das nicht nur das Genick, er verlor auch das Gleichgewicht...." (Anke)
"Als passionierter Raucher ist der Zeitraum bis zur nächsten Zigarette zu lang. Aber da es ein älterer Zug war, liegt die Tür hinten....Gedankenversunken zieht er, in der Tür stehend, an seiner - seit langer Zeit wieder ersten - Zigarette. Als ein Zug entgegenkommt, muss er sich dem Sog entgegenstemmen... Zu spät..."(Angelika)
"Es ist bekannt, dass in Zügen nicht mehr geraucht werden darf. Detektoren verraten sofort jeden sünder. Aber die Nikotinsucht bricht jeden Bann. In diesem Fall öffnet sich eine Zugtür. Da just in diesem Moment das späterer Opfer das Zug-WC verläßt, wird es vom Sog bei der Einfahrt in den Tunnel ..." (Maren)
"Der Mann hatte - nach rechlichem Kaffeegenuss in der Speicherstadt-Kaffeerösterei - ein zunehmendes Drängen, die Toilette aufgesucht. Die erste war besetzt - und blieb es lang. Was sich hinter der Tür zutrug? Wer weiß... So setzte er seine Suche fort, durchquerte den Wagoon, öffnete die Verbindungstür und stieg auf die Gleise. Dort schlug er so unglichlich auf, dass er verstarb. Hätte es ein Raucherabteil gegeben, wäre dieses von der Glut der Zigarette nicht erhellt gewesen, so dass er das Ende des Zuges bemerkt hätte..." (Martina)
"Der Mann schlief im Zug. Als er nach Stunden erwachte, war alles dunkel um ihn, da er sich gerade mit dem Zug im Tunnel befand. Er wusste nicht, wo er war. Orientierungslos - und, weil er Stunden nicht geraucht hatte und somit auf "Entzug" war, verstärkte sich seine Unsicherheit ob seines Aufenthaltortes in Angst und Panik. ..." (Jette)
"Als sich der Zug dem Tunnel nähert, steht der Man auf dem Peron und raucht eine Zigarette. Im Tunnel spricht man ihn bei völliger Dunkelheit an... "He, Alter, gib mir auch ne Lulle." Da es seine letzte Zigarette war, konnte er keine abgehen. Der Fremde riß im die Zigarette aus der Hand und rempelte ihn ..." (Reinhard)
Georg Schramm hat gesagt:
»Das Wort ist am Ende, aber es ist kein heldenhaftes Ende. Das Wort ist
tot, aber kläglich tot. Nicht vom Tyrannen erschlagen, nicht vom Zensor
erwürgt. Als leere Worthülse im Brackwasser der Beliebigkeit
untergegangen. Die Polemik ist tot, es lebe die Unterhaltung.«
Und
"Politik war mein Leben", läßt er seinen August Dombrowski sagen, "aber in der Zeitung stehen nur noch Börsenkurse."
Nach Robert Musils "Mann ohne Eigenschaften" leben wir in einer Welt, in der "die Verantwortung ihren Schwerpunkt nicht im Menschen, sondern in den Sachzusammenhängen" hat. Wie also können wir uns als Menschen gegen den von Menschen organisierten stummen Zwang der Verhältnisse, die "Sachzwänge", die "systemischen Logiken" behaupten?
"Von der Lektüre gefesselt, fallen die Fesseln der Wirklichkeit." Günter Kunert
"Die Guillotine ist eine Maschine, die den Kopf im Handumdrehen entfernt und das Opfer nichts anderes spüren lässt als ein Gefühl erfrischender Kühle." (Joseph-Ignace Guillotin, Erfinder des gleichnamigen, nach ihm benannten Gerätes...)
Vom Nutzen des Lesens
Ja, auch Leseforschung gibt es. Maryanne Wolf von der Bostoner Tufts-Universität hat darüber jetzt ein Buch geschrieben. Sie schöpft aus zwei Quellen: Einer eigenen, großen Lesebiographie und dem vom "bildgebenden Verfahren angeleiteten Blick der Hirnforschung auf die neue Architektur des Gehirns, die sich beim Lesenlernen bildert. Im Zusammenspiel der Perspektiven erreicht Wolf, den zur Selbstverständlichkeit gewordenen Akt des Lesens als etwas Einzigartiges, aber auch Bedrohtes erscheinen zu lassen. Wenn wir lesen, nehmen wir nicht nur Informationen auf, wir bilden unsere gedankliche Welt aus, lautet ihr...Glaubenssatz. Das gilt nicht für alle Arten des Lesens und für alle Textsorten gleichermaßen, und es ist kein natürlicher Prozess, sondern ein kultureller Zugewinn. Worum es Wolf vor allem geht, ist die narrative Literatur, die Lust am Text....Das klassische Lesegehirn läuft angesichts der schnell kursierenden Textmassen der digitalen Welt Gefahr, auf den informationellen Aufnahmemodus beschränkt zu werden. Unsere digital sozialisierten Kinder, das ist Wolfs Sorge, könnten schon überhaupt nicht mehr die Möglichkeit haben, die Fähigkeit des tiefen Lesens und die dafür erforderliche Hirnstruktur auszubilden." (FAZ, 28.9.09; es geht um das Buch "Das lesende Gehirn, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2009)"Es wäre besser gewesen, der Bär hätte sich vernünftig verhalten und eingegliedert." (Franz Emde, Sprecher des Amtes für Naturschutz in Bonn, am 22. Juni 2006, nach der Abschussfreigabe für den "Problem-Bären" JJ1, den der Volksmund "Bruno" taufte, laut FAZ.net vom 26. Juli 2006)
Buch-Komplizen
"Dreieinhalb
Arbeitsstellen sind für sämtliche Büchereien in deutschen Gefängnissen
zuständig, allein zwei davon befinden sich in Nordrhein-Westfalen, und
eine von ihnen - in Münster - hat der diplomierte Theologe und
Bibliothekswissenschaftler Gerhard Peschers inne.
Vor anderhalb Jahren wurde Peschers' Name bekannt, weil die von ihm
geleitete Gefangenenbücherei der Justizvollzugsanstalt Münster mit dem
Preis für die 'Bibliothek des Jahres 2007' ausgezeichnet wurde. Es war
das erste Mal, dass eine Einrichtung inter Gittern zur besten
Bibliothek Deutschlands gekürt wurde, und seitdem wissen wir etwas mehr
über Bücher im Knast. Etwa das von 520 Häftlingen in Münster rund
achtzig Prozent die Bücherei benutzen. Dass Gedrucktes für die
Gefangenen wichtiger ist als Fernsehen...Und das es seit Dezember 2006
einen 'Förderverein Gefnagenenbüchereien' gibt, der die Unterstützung
aus allen gesellschaftlichen Bereichen kanalisiert..." (FAZ, 26.2.09)
"Die gefährlichste Waffe sind die Menschen kleinen Kalibers." (Wieslaw Brudzinski)
"Hinter jedem großen Vermögen steht ein Verbrechen." (Honoré de Balzac)
"Ich orientiere mich gern an Peter Ustinov, der, ohne sich um irgendwelche Schubladen zu kümmern, nie zwischen E- und U-Kultur unterschieden hatte. Ich kann Kunst und Unterhaltung auch nicht voneinander trennen und habe davor nicht Angst... Den Begriff Sinnlichkeit des Denkens mag ich besonders. Denken macht Spaß! Alles was ernst ist hat nämlich komische Ecken und umgekehrt: Das Komische ist oft verdammt ernst. Das wußten schon Brecht, Heine und vor allem Shakespeare. Die unterhalten bestens und - drei Groschen! - sehr billig, aber nicht dämlich." (Katharina Thalbach)
"Man sollte sich vor Menschen hüten, die nur ein Buch gelesen haben." (Casanova)
Spannung bildet - der Westen macht blöd
Die
Deutschen finden Bücherlesen wichtig, tun es aber nicht. Das ergibt
jedenfalls die aktuelle Untersuchung der Stiftung Lesen. Demnach liest
jeder Vierte in Deutschland keine Bücher. Die größte Untersuchung zum
Leseverhalten seit 8 Jahren stellte zudem fest, dass sich das
Leseverhalten in Ost und West angeglichen hat. Während 1992 noch 68%
der Menschen in den neuen Ländern wöchentlich in ein Buch guckten,
waren es 2008 noch 42%. Ganz nebenbei: Deutsch-sprechende Migranten
greifen häufiger zum Buch als Menschen ohne Migrationshintergrund. Fest
steht allerdings eines - und das ist in diesem Zusammenhang für die
Schwarzen Nächte wichtig: Zentrales Lesemotiv ist und bleibt Spannung.
Ein Buch muss, so die Studie, "packen" - und zwar immer wieder. Kurzum:
Mehr Schwarze Nächte müssen her...
"Der größte Feind der Kunst ist der gute Geschmack." (Marcel Duchamp)
"Ein Künstler muss in derselben Verfassung an sein Werk gehen, in der der Verbrecher seine Tat begeht..." (Thomas Mann nach Edgar Degas)
"Spotten sie nicht über Kriminalromane! Sie sind heute das einzige Mittel vernünftige Ideen zu popularisieren." (Friedrich Glauser)
"Man erreicht mehr mit einem freundlichen Wort und einer Pistole als mit einem freundlichen Wort allein." (Al Capone)