Super-Heiner
„Die
spätrömische Dekadenz bestand darin, daß die Reichen nach ihren Freßgelagen
sich in Eselsmilch gebadet haben und der Kaiser Caligula einen Esel zum Konsul
ernannt hat. Insofern stimmt Westerwelles Vergleich: Vor 100 Tagen ist ein Esel
Bundesaußenminister geworden.“ (Heiner Geißler in Die Welt, 13.02.2010) Grabsteininschriften
- Typisch, jetzt wo ich Zeit habe, kommt keiner vorbei.
- auf einem Grabstein, der einem Rimowaflugkoffer naturalistisch nachempfunden ist, steht:
Bin nur mal kurz weg...
Gut angezogen, gut angesehen
Auf verblüffend simple Weise ist einem US-Häftling der Ausbruch in die
Freiheit geglückt: Der Gefangene, der wegen eines bevorstehenden
Gerichtstermins einen eleganten Anzug trug, verließ laut einem Bericht
der "New York Post" einfach seine Zelle durch eine geöffnete Tür, ging
in den benachbarten Gerichtssaal und fragte einen Wachmann: "Wo geht's
hier nach draußen?" Der Sicherheitsbeamte wies dem Häftling höflich den
Weg zum Ausgang, weil er ihn für einen Anwalt hielt.
Der Häftling, der wegen mehrerer Raubüberfälle angeklagt war, sei
daraufhin zur Wohnung seiner Mutter gegangen, habe sich umgezogen und
sei dann verschwunden. "Ich dachte, er sei entlassen worden", zitierte
die Zeitung die 81-jährige Mutter. "Er war so vornehm angezogen."
(AFP Agence France Press, 1.10.09)
Kunst & Verbrechen 2
Steve Kurz rekonstruiert in Berlin einen FBI-Einsatz in seiner Wohnung künstlerisch
(Seized. Art Laboratory Berlin - bis 15. November 09)
US-Bundespolizisten durchsuchten im Mai 2004 "mehrere Tage lang die Wohnung und das Altelier von Steve Kurtz und asservierten Petrischale, Bücher mit aussagekräftigen Titeln wie 'Collapsing New Buildings', Chemikalien, ein transportables Labor, Exponate für Ausstellungen und Schriftstücke. 'Seized' heißt die Schau... Steve Kurtz ist Mitglied des Critical Art Ensemble und Kunstprofessor an der New Yor State University at Buffalo. Er wurde damals überraschend festgenommen, weil dem Künstler, der sich in seinen Projekten kritisch mit biotechnolgischen Entwicklungen auseinandersetzte, vorgeworfen wurde, biterroristische Aktionen geplant zu haben. Der Anlass für den Polizeieinsatz war so trivial wie charakteristisch für das vom *Patriot Act' aufgeheizte Klima in den Vereinigten Staaten: Sanitäter, die Kurtz nächtens gerufen hatte, weil seine Frau einen Herzinfarkt erlitten hatte, an dem sie auch verstarb, hatten wegen der Laborausstattung in der Wohnug Verdacht geschöpft und die Polizei alarmiert. - 'Seized' ist jetzt die erfreulicherweise gar nicht wehleidige Verarbeitunge dieses spektakulären Verfahrens. Der Künstler stellt sich hier nicht als Opfer dar, sondern bewegt sich als Spurensucher in eigener Sache: Kurtz und seine Kollegen haben sich in mehrwöchiger Detailarbeit durch das gekämpft, was die Polizei, in sechs große Müllsäcke gepackt, am Ort ihrer zweitägigen Razzia zurückließ." Es bleibt offen, so Oliver Tolmein, der Autor dieses Artikel, wer hier eigentlich was beschlagnahmt hat. (FAZ, 19. Oktober 09)
Energiekrisensymptome
Wegen Strommangels ist ein bislang unbekannter
Einbrecher im bayerischen Langenzenn beim Knacken eines Firmentresors
gescheitert. Da wegen der hohen Leistung seines Werkzeuges die Sicherungen
heraussprangen, konnte er sein Vorhaben nicht verwirklichen. ddp (Erschienen im gedruckten Tagesspiegel
vom 19.10.2009)
Kunst & Verbrechen1: Bildende Kunst-Forensik
"Diebe verraten sich durch Fingerabdrücke, die sie
am Tatort hinterlassen. Künstler, wie wir jetzt lernen, auch: Ein Fleck am
oberen linken Rand eines Velinpapiers mit dem bezaubernden Renaissance-Porträt
eines jungen Mädchens könnte vom Mittel- oder Zeigefinger des Leonardo da Vinci
herrühren... Die von dem Franzosen Pascal Cotte entwickelte
Multispektraltechnik, die unlängst auch für die aufschlussreiche Untersuchung
der „Mona Lisa“ verwendet wurde, ermöglichte durch hochempfindliche Sensoren
und die hohe Auflösung der Aufnahmen nicht nur die Entdeckung des Fngerabdrucks
durch den kanadischen Forensiker Paul Biro, sondern auch eine genaue Analyse
des Farbauftrags. Es lässt sich auch unterscheiden zwischen dem ursprünglichen
Künstler, dessen Schraffuren den Linkshänder verraten, der Leonardo war, und
einem späteren, rechtshändigen Restaurator." (FAZ, 15.10.09)
Dagobert Ackermann
Dem höchst verdienstvollen SPIEGELonline (28.07.09, Das Ende der Ente) ist zu verdanken, dass eine längst fällige Ehrung längst stattgefunden hat: Bereits 2005 nämlich hat nämlich der Präsident , genannt
"PräsidEnte", der
Deutschen Organisation Nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus (D.O.N.A.L.D.)
erstmals einen Orden für Manager verliehen, die
"ihre wirtschaftlichen Interessen frei von den Fesseln moralischer
Bedenken" durchsetzen und "den Entenhausener Wirtschaftslenkern in
nichts nachstehen". Der Preis; der an den Deutschbankier Josef Ackermann
ging, bemerkte SPIEGELonline, war allerdings "bemerkenswerterweise nicht nach Dagobert benannt, sondern nach dessen
übler beleumdetem Gegenspieler MacMoneysac."
Unter der Überschrift "DAS GIBT ZU DENKEN", berichtete die taz am Tag der Schwarzen Dillinger-Hafen-Nacht, am 28. Juli 09 folgendes: John Dillinger war der erste Mensch, den das FBI als Staatsfeind Nr.1 bezeichnete. Sein Name dominierte viele Jahre die amerikanischen Schlagzeilen (schlecht recherchiert, mf). Nach etlichen Bankrauben und Gefängnisausbrüchen wurde der Gangster am 22. Juli 1934 vor einem Kino in Chicago erschossen. Seine Waffe vom Typ Remington Kaliber 41 wurde nun bei einer Auktion in Texas für 95.600 Dollar (67.000 Euro) versteigert. Ein amerikanischer Sammler bezahlte mehr als doppelt so viel wie erwartet für die kleine Pistole, die Dillinger in seiner Socke versteckt haben soll, als er vor 75 Jahren in Tucson im US-Staat Arizona festgenommen wurde..." (Diesen Hinweis habe ich noch vor der Veranstaltung per Mail von Wolfgang Birkholtz, auch einem "Schwarznächtler" erhalten: DANKE!!!)
Endlich erkannt:
Die Welt wird durch den Klimawandel schöner & besser
"Die Zahl der schwarzen Schafe geht zurück - jedenfalls in der
Tierwelt. Wissenschaftler machen den Klimawandel dafür verantwortlich.
Der Grund: Schwarze Schafe werden schneller warm. In Zeiten steigender
Temperaturen ist das aber gar nicht immer praktisch.
" (Spiegel online, 22.07.09)
Zeitgeschehen im Spiegel des Verbrechens - bei Spiegel-online
1. Wenn Frauen morden
2. Historische Mordfälle
3. Jack the Ripper
Statt Halloween - Edgar feiern
ZEIT: Würden Sie für viel Geld noch einmal eine Poe-Film drehen?
Corman: Ja, aber nur mit einem am Computer reanimierten Vincent Price.
Was
das bedeuten soll? Die Zeit beschäftigt sich in einem Dossier mit
Edgar-Allan Poe, dessen 200. Geburtstag am 19. Januar zu feiern ist!
Über Poe: Mann am Abgrund
Poes Einfluss: Expedition ins Imaginäre
Poe Rezeption: Umweg zum Ruhm
Poe Filme: Interview mit Roger Corman
Poe Hörbücher: Meuterei und Metzelei
Deep Throat ist tot
Ex-FBI-Vizechef
Mark Felt, der sich als der geheimnisvolle Informant "Deep Throat" in
der Watergate-Affäre geoutet hatte, ist 95jährig verstorben. 33 Jahre
lang hatte Felt seine Rolle in dem Skandal verschwiegen, die 1974 zum
Rücktritt des damaligen US-Präsidenten Nixon führte - und Bob Woodward
und Carl Bernstein von der "Washington Post" zu Ikonen des
investigativen Journalismus. Das Aufklärungs-Helden-Epos wurde 1976 von
Alan J. Pakula mit Dustin Hoffman, Robert Redford (und Hal Holbrook in
der Rolle von "Deep Throat"-Felt) verfilmt: All the President's Men, die in Deutschland Die Unbestechlichen hießen.
Derrick ist auch tot
Horst
Tappert starb im Alter von 85 Jahren in einer Münchener Klinik. Er
mimte von 1974 bis 1998 den stets korrekt gekleideten, immer wohl
erzogenen und temperierten, geradezu britisch unterkühlten
Oberinspektor Stephan Derrick. Jens Jessen widmete dem Gegenstück zum
rabautzigen Schimanski den zitationswürdigen Nachruf Der Meister des Minimalismus. Darin heißt es: "...Derrick,
wenn er in die Villen in München-Grünwald eindrang, mit ihrem falschen
Schmiedeeisen und dem echten Protz, legte seinen Mantel nicht ab, als
fürchtete er Ansteckung. Zurück in seinem kargen Büro war er tödlich
erschöpft. Er hatte wieder zuviel gesehen und mehr begriffen, als sich
in Worte fassen lässt. Nur die Augen traten fast aus den Höhlen.
Tapperts Lebensleistung: dass er für die scheiternde Aufklärung die
physiognomische Geste erfand." (aus: Die Zeit online,
16.12.2008) - Dabei blieben nur zwei seiner 281 Fälle ungelöst. -
Derrick ist übrigens nichts anderes als die im Mutterland des Krimis,
dem englischen Sprachraum, weitverbreitete Form des Rufnamens Dietrich.
Aber auch der gemeine Ladebaum, bzw. Drehkran wird im Englischen
Derrick geheißen. Wie auch immer: Das legendär geflügelte Wort "Harry, hol schon mal den Wagen"
hat er, darüber sind sich die Experten einig, nie gesagt. Es soll
Harald Schmidts Feder entstammen. Es gibt aber auch Hinweise, dass ein
SPIEGEL-Autor in den 80er Jahren einen Artikel über Derrick verfasste,
in dem er darauf hinwies, dass sich Weppers Rolle auf die des
Autoholers für den Chef beschränke - und das berühmte Zitat erfand.
Dort soll, so Experten, unser aller Harald "geklaut" haben... Die
nächsten Magisterarbeiten über dieses abendfüllende Thema sind
wahrscheinlich längst "in der Mache"...
2005 haben Controller und andere von der Fraktion "das muss sich rechnen" dafür gesorgt, dass eine Legende der Stadt London, die alten Doppeldecker-Busse, auf die man noch auf- und abspringen konnte, verschwanden. Diese Busse durften in keiner dieser wunderbar altmodischen Krimi-Verfilmungen fehlen. Sie "signalisierten" nicht nur penetrant fingerzeigig "wir befinden uns jetzt in London", sondern eben auch Nebel, Regen, Themse - kurzum - das Grauen: Draußen ging der grüne englische Wind über die grünen englischen Wiesen, und leise rauschten die grünen englischen Bäume. Damals, als ich George de la Peur, den 4. Earl von Whistletone kennenlernte. Er war wie Prinz Charles, grün, aber er war auch tot... - oder so ähnlich. Die gute Nachricht: Die rote Legende kehrt zurück. Aston Martin hat eine neue, umweltfreundliche Version des Busses entworfen, die dann von 2011 an wieder durch London fahren soll - inklusive der Möglichkeit auf- und abzuspringen.